Hospitalstiftung zum Heiligen Geist
Kaufbeuren

Was uralte Spitalurkunden sagen

Urkunde einer Zustiftung vom 21. Januar 1319: Gertrut, Witwe Hainrichs des Vaters, übergibt (...) dem Spital zu Burun den Garten...“
Urkunde einer Zustiftung vom 21. Januar 1319: Gertrut, Witwe Hainrichs des Vaters, übergibt (...) dem Spital zu Burun den Garten...“

Ein erheblicher Teil der mittelalterlichen Stadtgeschichte Kaufbeurens wird durch die noch vorhandenen Hospitalstiftungsurkunden geschrieben. Der Historiker Helmut Lausser hat sie übersetzt und im Rahmen seiner Quellenedition veröffentlicht. Was können uns diese Jahrhunderte alten Dokumente heute sagen? Hier einige Beispiele:

" Alle werden wir, wenn wir gerufen werden, vor dem Gericht Jesu Christi stehen; und so, wie wir uns im Leben betragen haben, wird dies gut oder schlecht für uns ausgehen"

schrieben der Hospitalstiftung nicht weniger als zwei Erzbischöfe und acht Bischöfe in einer noch erhaltenen Stiftungsurkunde aus dem Jahr 1295. Die eigene Endlichkeit und Begrenztheit annehmen – es gibt wohl kaum einen Ort, an dem dies mehr geschehen muss als in einem Alten- und Pflegeheim. Das kann bisweilen zu einem Gefühl der Vergeblichkeit und Hilflosigkeit führen. Doch an anderer Stelle der gleichen Urkunde steht:

"Deshalb ist es von höchstem Nutzen, daß wir den Tag unsers Hinscheidens im Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit zum Guten wenden... Wer aber Wohltaten säht, der erntet Wohltaten und das ewige Leben. "

Hartmann von Dillingen am 13. September 1252 bestätigter, aber noch nicht geweihter, Bischof von Augsburg betonte in einer Spitalurkunde vom gleichen Tag:

"So ist es auch unser (persönlicher) Wunsch, daß den Armen Christi, je mehr sie durch körperliche Gebrechen und Armut gebeugt sind, helfend zur Seite gestanden wird, und man den in ihrer Not Hilfesuchenden aber auch Gelegenheit zum Trost im Glauben bietet."

Schon damals galt: Nicht nur die körperliche Hilfe ist wichtig, sondern auch die seelische und spirituelle. "Aber auch Gelegenheit zum Trost bieten" – wo findet sich in Pflege und Betreuung heute das Trösten? Es entzieht sich der Erfassung in Prozessen, Flussdiagrammen und der Durchsetzung in Form von Verfahrensanweisungen. Trösten kann nicht verordnet werden, ist aber von alters her Teil des Auftrags der Hospitalstiftung. Und nicht nur bei Hartmann von Dillingen heißt es:

„Weil nun die Brüder des Spitals zum hl. Geist und zum hl. Apostel Bartholomäus in Beuren sämtliche Bedürftigen, die zu ihnen kommen, aufnehmen und mit ihrer helfenden Liebe beschenken, möchten wir Ihnen unsere Unterstützung mit umso größerer Gunst und Erkenntlichkeit zukommen lassen.“

Wenn die Hospitalstiftung  heute etwas unwirtschaftliches tut und deshalb von anderen Heimen auch gar nicht mehr getan wird, nämlich beispielsweise echte Kurzzeitpflegeplätze anbieten oder Menschen aufnehmen, die in anderen Heimen keinen Platz finden, tut sie das in bester Hospitalstiftungstradition.